Page 33 - Gehaltvoll Nr. 2.2
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Die Streichholzschachtel















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                                                            Und heute, nach Jahrzehnten,
                                                            Schlägt mein Herz zart höher,
                                                            Wenn ich dich sehe.
                                                            Du warst und bleibst

                                                            der Inbegriff von Zukunft,
                                                            Wenn die Hölzer explodieren.
                                                            Kein Spielzeug mehr,

 Ich wuchs heran,                                           aber auch kein Orakel, nein,
 Sah von weitem zu,  Es kam der Tag,                        kein Scheiterhaufen,

 Wie die Großen mit dir spielten,  Den ich ersehnte,        Das Geschrei der Mutter
 Nicht Häuser bauten, Brücken.  Ich mit meinem ersten Geld  Wurde mir ein Lächeln.
 Soviel begriff ich bald,  Dich kaufte.                     Dein Duft dagegen
 Dass du Dinge möglichst machst,  Dein Klang der gleiche    ein Vorgeschmack des Sterbens.
 Die mir verboten.  Wie in Kindertagen.

 Den Herd zu schüren.  Nicht lange noch                     Die Zeit in mir
 Rauch zu produzieren.  Ich mit dir Brücken baute.          Gewinnt durch dich an Ruhe.
 Kerzenlicht zu zaubern,  Ich gebe es zu,                   Ich brauch dich nur zu sehen,

 Wenn das Tageslicht erstarb.  Schon bald                   Geht sie Hand in Hand
 Maschinen zu bewegen.  Tat ich mit dir das,                Mit dem Auf und Ab des Lebens.
 Holz zu verbrennen,  Was ich all die Jahre                 Und seiner stillen Sehnsucht.
               Von ferne nur bestaunte,
 Das übrig war, das störte.  Zwar die Finger mir gleich verbrannte,

 Einmal sah ich sogar,  Doch mich verliebte                                          Gedicht von Werner May,
                                                                                     gesprochen von
 Dass mit deinen Stäben  In den Geruch aus Schwefel                                  Benjamin Stoll,
                                                                                     Schauspieler,
 jemand sich die Zähne putzte.  Und den Duft der weiten Welt.                        www.benjaminstoll.com



                                                                                                                     33
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